Guideline: Open Research Infrastructure
Forschung entfaltet sich heute zunehmend in verteilten, interdisziplinären und internationalen Netzwerken. Forschungszentren können ihre Wirkung und Innovationskraft erhöhen, wenn sie physische und digitale Infrastrukturen nicht nur als interne Ressourcen betrachten, sondern gezielt für externe Partner öffnen. Offene Forschungsinfrastrukturen schaffen damit einen Mehrwert für alle Beteiligten: Sie verbinden Institutionen, ermöglichen neue Kooperationen und beschleunigen die Entwicklung von Technologien, Methoden und Daten.
Was ist eine Open Research Infrastructure?
Eine Open Research Infrastructure / offene Forschungsinfrastruktur ist ein integriertes Umfeld, in dem Betreiber und Nutzer Forschungsinfrastrukturen – von Geräten und Messplätzen über Rechen- und Datendienste bis zu Expertise und Daten – systematisch teilen. Typische Formen reichen von gebuchter Nutzung über Joint Labs bis zur gemeinsamen Entwicklung neuer Technologien. Die offene Forschungsinfrastruktur kann physische und digitale Komponenten umfassen, zum Beispiel:
- Labore, Messplätze und spezielle Geräte
- Rechenleistung, Speicher, Netzwerk und Datenplattformen
- Expertise, Support und Trainings
- Infrastrukturleistungen wie Rackspace, Kühlung und Datenanbindung
Die Infrastruktur kann zur Verfügung gestellt werden, wenn Zuwendungsbedingungen, vertragliche Regelungen und die Möglichkeit der nicht-exklusiven wissenschaftlichen Nutzung besteht.
Ist die Öffnung möglich, ist für den Betreiber entscheidend, dass die geteilte Ressource über das eigene Projekt hinaus einen klaren Nutzen bietet, Kapazitäten organisierbar sind und die Zugangsorganisation praktikabel bleibt.
Nutzen für Betreiber und Nutzer
Für Betreiber entstehen neben direkten Erlösen auch immaterielle Vorteile: Wissenstransfer, gemeinsame Weiterentwicklung der Infrastruktur, erweiterte Netzwerke und eine gestärkte Innovationskraft. Für Nutzer ermöglichen offene Forschungsinfrastrukturen Zugang zu hochwertigen Ressourcen, beschleunigen Projekte und fördern wissenschaftliche Exzellenz. Der Mehrwert entsteht wechselseitig: Wer profitiert, bringt auch Ressourcen oder Leistungen ein – finanziell oder in Form von Expertise, Daten oder Zugang zu eigenen Infrastrukturen.
Grundprinzipien
Eine offene Forschungsinfrastruktur ist kein rein „offenes“ oder „kostenloses“ Angebot. Sie beruht auf drei Prinzipien:
- Wechselseitiger Nutzen: Alle Beteiligten gewinnen einen klaren Gegenwert.
- Klare Leistungsbeziehungen: Prozesse, Verantwortlichkeiten und Standards sind definiert.
- Langfristige Partnerschaften: Kooperationen werden stabil aufgebaut, mit transparenten Konditionen und verlässlicher Kommunikation.
Dabei fallen durch externe Nutzung direkte, zuordenbare Aufwände an – etwa Energie, Verbrauchsmaterial und Personalkosten. Diese Kosten sind legitim und müssen durch die Nutzer ausgeglichen werden, um den Betrieb nachhaltig zu sichern.
Typische Formen der Zusammenarbeit
Die Intensität der Zusammenarbeit kann variieren:
- Nutzung (einfach): Zugang zu Ressourcen – einmalig, unregelmäßig oder regelmäßig: Der Nutzer bucht Zeit oder Kapazität (z. B. Messzeit, Rechenleistung) ohne langfristige Bindung.
- Joint Lab (mittel): Regelmäßige Nutzung mit eigenem Bereich im Labor. Der Partner hat einen festen Platz und nutzt die Infrastruktur über einen definierten Zeitraum hinweg.
- Co-Entwicklung (komplex): Enge, langandauernde Zusammenarbeit. Beide Seiten entwickeln gemeinsam Technologien oder Methoden und teilen Ergebnisse sowie Risiken.
Ziel & Struktur dieses Leitfadens
Der vorliegende Leitfaden beschreibt Überlegungen für Einführung und Betrieb einer Open Research Infrastructure und widmet sich vier Themen:
Welche Forschungsinfrastruktur eignet sich als Open Research Infrastructure?
Offene Forschungsinfrastrukturen umfassen jede wiederverwendbare Ressource, die über das eigene Projekt hinaus von externen Partnerinnen genutzt werden kann – von großen Anlagen (z. B. Teilchen‑Beschleuniger, Rechenzentren) bis zu spezialisierten Geräten. Entscheidend sind ein klarer Nutzen für alle beteiligten Partner, verfügbare bzw. organisierbare Kapazitäten der Infrastruktur aber auch der personellen Unterstützung und eine praktikable Zugangsorganisation.
Welche Mehrwerte entstehen für Betreiber und Nutzer?
Der Mehrwert einer Open Research Infrastructure entsteht wechselseitig. Wer profitiert, bringt auch Ressourcen oder Leistungen ein – finanziell oder in Form von Expertise, Daten oder Zugang zu eigenen Infrastrukturen. Für Betreiber entstehen neben direkten Erlösen auch immaterielle Mehrwerte, wie Wissenstransfer, Netzwerke und Stärkung der Sichtbarkeit. Für Nutzer ermöglichen offene Forschungsinfrastrukturen Zugang zu hochwertigen Ressourcen. Bei der Zusammenarbeit werden Werte getauscht: Die Infrastruktur wird nicht einfach »kostenlos« zur Verfügung gestellt. Ein fairer Austausch sichert die Nachhaltigkeit.
Welches Refinanzierungsmodell eignet sich?
Eine offene Infrastruktur schafft Mehrwert für Betreiber und Nutzer – wer profitiert wie und was wird dafür gegeben? Das Modell ist dabei nicht ausschließlich kommerziell, sondern umfasst sämtliche Tausch‑ und Kooperationsformen, zum Beispiel gebuchte Nutzung, kostenneutraler Ressourcenaustausch (Joint‑Labs, Co‑Entwicklung) oder Bereitstellung von Infrastruktur-Leistungen (Rack‑Space, Kühlung, Datenanbindung). Bei der Konzeption von Geschäftsmodellen kann auch die Einbindung einer Transfer GmbH sinnvoll sein. Zudem sind auch verschiedene rechtliche Konzepte zu berücksichtigen.
Wie wird der Betrieb gemanagt?
Externe Nutzung ist eine Ergänzung zum Kernauftrag der Forschungsinfrastruktur. Sie benö-tigt zunächst ein klares Commitment von Leitung / Management der Forschungseinrichtung sowie klare Prozesse, transparente Kapazitätsplanung, gute Kommunikation und ein verlässliches Team. So werden Konflikte vermieden, Nutzen gesteigert und tragfähige Partnerschaften aufgebaut.