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Konzept Open Source Program Office

Ein Open Source Program Office (OSPO) ist eine zentrale Organisationseinheit einer Institution, die den strategischen, rechtlichen und operativen Umgang mit Open-Source-­Projekten sowie Open-Science-Ergebnissen koordiniert. ­Während OSPOs in der Industrie bereits etabliert sind, ­gewinnen sie in der Forschungslandschaft zunehmend an Bedeutung.

Forschungsprojekte bewegen sich in einem Spannungsfeld aus Publikation, Technik, Recht und Wirkung – das OSPO hilft, diese Komplexität zu navigieren, Ressourcen zu bündeln und die Interessen von Entwickler:innen und der Organisation zu vertreten.

Ein OSPO fungiert als zentrale Anlaufstelle für alle Open-Vorhaben , darunter Software, Hardware, Daten und Bildungsmaterialien. Es versteht sich dabei weniger als Kontrollinstanz, sondern vielmehr als Dienstleister und Förderer, der den Mehrwert offener Ergebnisse für Forschung, Industrie und Gesellschaft maximiert.

Perspektiven und Ziele

Die Arbeit eines OSPO verbindet zwei Hauptperspektiven. Zum einen bietet es How-To-Support als Dienstleistung: Es berät bei Lizenzen und Tools, begleitet Prozesse und stellt sicher, dass Entwickler:innen auf bewährte Muster zurückgreifen können. Zum anderen unterstützt es die strategische Entscheidungsfindung: Es liefert Expertise und Rahmenbedingungen für Entscheidungen wie »Open vs. Proprietär« oder die Auswahl von Lizenzen.

Konkrete Ziele sind dabei:

  • Unterstützung aller Open-Source-Projekte und der sie treibenden Wissenschaft­ler:innen / Entwickler:innen über den gesamten Lebenszyklus der Projekte.
  • Unterstützung und Abgleich der Interessen von Entwickler:innen und Organisation.
  • Steigerung des Impacts auf Forschung, Industrie und Gesellschaft.
  • Entwicklung von Guidelines, Policies und effizienten Prozessen für Nutzung und Entwicklung von Open-Source-Projekten.
  • Sicherung der langfristigen Nachhaltigkeit durch geeignete Lizenzen und Geschäfts­modelle.

Aufgaben eines OSPO

Die Ziele eines OSPO lassen sich in konkrete Aufgaben übersetzen. Da Ressourcen variieren, sollte jede Organisation eine priorisierte Auswahl treffen.

Unterstützung von Open-Vorhaben über den gesamten Lebenszyklus

  • Unterstützung bei wesentlichen Entscheidungen: Beratung bei »Open vs. Proprietär«, Lizenzwahl und Finanzierungsquellen.
  • Projektmanagement: Organisation der Zusammenarbeit, Tools, Best Practices, Community-Aufbau und Vermarktung.
  • Compliance & Sicherheit: Prüfung von Abhängigkeiten und Lizenzen.
  • Planung: Unterstützung bei Entwicklungsplanung und Geschäftsmodellen.
  • Schnittstelle: Bindeglied zur Administration.

Kommunikation & Vernetzung

  • Informationssammlung: Überblick über vorhandene und geplante Vorhaben.
  • Vernetzung: Erfahrungsaustausch und Nachnutzung erfolgreicher Wege innerhalb der Organisation.
  • Kommunikation: Sichtbarkeit gegenüber Stakeholdern und Öffentlichkeit.
  • Externer Austausch: Kontakt zu anderen OSPOs und Forschungsnetzwerken.

Guidelines, Networking & Training

  • Richtlinien: Entwicklung und Updates interner Guidelines.
  • Wissensvermittlung: Information zu Open-Source-Fragestellungen.
  • Events: Workshops, Networking und Schulungen für Mitarbeitende.

Organisation & Erfolgsmessung

  • Evaluation: Regelmäßige Bewertung der Aktivitäten und Dokumentation.
  • Dokumentation und Berichte an Stakeholder und Management.

Rollen und Zusammenarbeit

Ein OSPO ist ein Zusammenspiel unterschiedlicher Kompetenzen und Blickwinkel. Der Erfolg hängt von der Abstimmung verschiedener Gruppen ab, die jeweils spezifische Themen einbringen:

  • Forschung & Wissenschaft: Wissenschaftler:innen sind die Treiber der Open-Vorhaben. Sie entwickeln Projekte, stehen im Austausch mit Communities und können als Vorbilder andere motivieren, ihre Ergebnisse offen zu veröffentlichen.
  • Technologietransfer & Recht: Sie klären Fragen des geistigen Eigentums, prüfen und bewerten rechtliche und sicherheitsrelevante Anforderungen (wie Exportkontrolle, Produkthaftung) und entwickeln Verwertungsstrategien.
  • IT & Infrastruktur: Stellen die technischen Grundlagen bereit, wie sichere Hosting-Lösungen (z. B. Git-Server), automatisierte Test- und Freigabeprozesse und Sicherheitschecks.
  • Administration & Controlling: Sorgen für die organisatorischen und finanziellen Rahmenbedingungen. Dazu gehören Budgetplanung, Personalressourcen für OSPO-Aktivitäten und das Reporting.
  • Management & Strategie: Die Leitungsebene legt die strategische Ausrichtung fest und sorgt für die notwendige Legitimation innerhalb der Institution.

OSPO Rollen

Organisation und Entwicklung eines OSPO

Es gibt nicht »den einen« richtigen Weg, ein OSPO zu organisieren. Der Aufbau sollte sich immer an der Größe, der Kultur und den verfügbaren Ressourcen der jeweiligen Einrichtung orientieren.

Eine bewährte Strategie für den Start ist die schrittweise Entwicklung: Ein OSPO kann zunächst als virtuelles Netzwerk mit geringem Aufwand beginnen und sich bei nachgewiesenem Nutzen schrittweise zu einer festen Institution weiterentwickeln.

  • Virtuelles Netzwerk: Im ersten Schritt vernetzen sich engagierte Personen aus verschiedenen Bereichen. Der Fokus liegt auf dem Erfahrungsaustausch und der Klärung grundlegender Fragen zu Lizenzen und Open-Science-Prinzipien. Es entsteht ein Bewusstsein für das Thema, ohne dass neue Stellen geschaffen werden müssen.
  • Community of Practice: Der Austausch wird regelmäßiger und strukturierter. Es entstehen erste Sammlungen von Hilfsmitteln, Templates und internen Standards. Das OSPO fungiert hier als zentraler Knotenpunkt, um Wissen zu bündeln und wiederkehrende Prozesse zu vereinheitlichen.
  • Verankerte Struktur: Bei nachgewiesenem Bedarf werden personelle und finan­zielle Ressourcen bereitgestellt. Dies kann die Etablierung fester Rollen (z. B. OSPO-Beauftragte oder Data Stewards) bedeuten, die einen definierten Teil ihrer Arbeitszeit für das OSPO einplanen. Auch Budgets für Werkzeuge und Infrastruktur werden integriert.

Das Ziel ist eine Struktur, die Expertise zusammenbringt, klare Ansprechpersonen bereitstellt und Vernetzung innerhalb der Institution schafft, und damit die Basis für nachhaltige und wirkungsvolle Open-Source-Projekte.