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Welche Mehrwerte entstehen für Betreiber und Nutzer?

Der Mehrwert einer Open Research Infrastructure entsteht wechselseitig. Wer profitiert, bringt auch Ressourcen oder Leistungen ein – finanziell oder in Form von Expertise, Daten oder Zugang zu eigenen Infrastrukturen.

Mehrwert für Betreiber

Der Mehrwert einer Forschungsinfrastruktur als Open Research Infrastructure (ORI) kann vielfältig sein.

Entscheidend ist, dass die Öffnung einen klaren Nutzen für die Forschungseinrichtung generiert. Dieser Nutzen muss den zusätzlichen Aufwand rechtfertigen. Bei der Bewertung spielen finanzielle Aspekte eine zentrale Rolle, insbesondere wenn der Anteil der ORI-Nutzung steigt. Die Finanzierung sollte transparent und nachhaltig gestaltet werden, um langfristige Akzeptanz bei Leitung und Fördergebern zu sichern.

Die Kostenverteilung erfordert eine differenzierte Betrachtung: von direkten Nutzungskosten bis hin zu langfristigen Betriebs- und Entwicklungsausgaben. Je höher der Anteil der offenen Nutzung, desto komplexer wird die Finanzierungsfrage. Nutzer:innen müssen angemessen an den entstehenden Kosten beteiligt werden.

Generell gibt es viele Arten von Nutzen für Betreiber von Open Research Infrastructures:

Materieller Mehrwert

Einnahmen

Der offensichtlichste Nutzen ist die Möglichkeit, direkt oder indirekt Einnahmen zu erzielen. Direkte Einnahmen entstehen durch:

  • Ersatz für die verbrauchs und nutzungsabhängigen direkten Kosten (Energie, Verbrauchsmaterial, Arbeitsstunden von Techniker:innen etc.), die häufig auf eine Nutzungseinheit – z. B. eine Nutzungsstunde – umgerechnet werden.
  • Einmalig zuordenbare Kosten wie Sicherheitsunterweisungen, notwendige Schulungen oder technische Einrichtung.
  • Pauschaler Ersatz für indirekt mit der Nutzung verbundene Kosten (Verwaltung, Zutrittskontrolle, Wartung).
  • Beteiligung an Investitionskosten oder Abschreibungen bzw. an einer geplanten Neuanschaffung.

Dieser Kostenersatz muss nicht exakt die tatsächlich entstehenden Ausgaben decken. Er sollte Gewinn und Risiken sowie ggf. erforderliche Steuerzahlungen für die Einrichtung decken.

Einnahmen können indirekt entstehen, wenn die Forschungseinrichtung Leistungen erhält, die sie ansonsten kostenpflichtig hätte beziehen müssen. Das können klassische Tauschgeschäfte sein, in denen als Gegenleistung für die Nutzung der Infrastruktur eine für den Betreiber wertvolle Leistung des Nutzers steht. Das können aber auch Anlagen oder Anlagenteile bzw. Softwaresysteme sein, die nach Benutzung durch den Nutzer (z.B. im Rahmen eines Projekts) beim Betreiber verbleiben und in dessen Eigentum übergehen bzw. durch diesen ohne weitere Kosten genutzt werden dürfen. Hierunter fällt ebenso, wenn Partner Mitarbeiter:innen bereitstellen, die durch den Betreiber für seine Zwecke (mit-)genutzt werden dürfen. Dabei müssen beihilfe- oder haushaltsrechtliche Regeln beachtet werden.

Services

Daneben können Betreiber ergänzende Services anbieten (siehe auch Kapitel 4), wie z.B.

  • grundlegendere Hilfestellung bei der Nutzung einer Infrastruktur für die Problemstellung des Nutzers (Design von Experimenten und Messungen etc.),
  • teilweise oder vollständige Durchführung von Experimenten und ähnlichem,
  • Hilfe bei der Interpretation von Ergebnisdaten,
  • Vermittlung von weiterführenden Kontakten im Netzwerk des Betreibers,
  • Hilfe bei der Entwicklung weiterführender Projekte.

Immaterieller Mehrwert

Neben den finanziellen Erträgen erwarten Forschungseinrichtungen häufig weitere, nicht materielle Vorteile aus der Öffnung (im Sinne von „open“) ihrer Infrastruktur. Diese lassen sich grob in drei Kategorien einteilen:

Forschungskooperation

Durch die Nutzung der Forschungsinfrastruktur durch Dritte entstehen Effekte, die das Kerngeschäft – Forschung und Lehre – stärken:

  • Erkenntnisgewinn: Während der (gemeinsamen) Nutzung werden Daten, Wissen und Know how generiert, die das Tagesgeschäft bereichern.
  • Zugriff auf neue Technologien und Kompetenzen der Partner, die sich noch in der Entwicklung befinden.
  • Weiterentwicklung der Forschungsinfrastruktur: Nutzung führt zu Erkenntnissen oder materiellen Veränderungen, die allen Nutzer:innen zugutekommen.
  • Netzwerkerweiterung: Der Austausch mit externen Partnern stärkt das eigene Netzwerk und erleichtert die Akquise zusätzlicher Drittmittel und Industrieaufträge.
  • Feste Einbindung in Projekte der Nutzer (mit ggf. vorab festgelegten Rahmenbedingungen und Konditionen).
  • Validierung von Daten oder Kennwerten in einer größeren Anwendungsskala als bisher.

Wissens- und Technologietransfer

Die Nutzung der Infrastruktur fördert den Transfer von Wissen und Technologie:

  • Vermarktung von eigener IP (Schutzrechte, Know how, Daten, Lizenz oder Vertriebsrechte) an Nutzer oder gemeinsam mit ihnen an Dritte.
  • Gemeinsame Entwicklungen mit Start ups und Unternehmen durch Zugang zu leistungsfähiger Forschungsinfrastruktur.
  • Unterstützung von Cluster Bildung – nicht nur zum eigenen Nutzen, sondern zur Vernetzung mehrerer Akteur:innen.
  • Feste Einbindung in Projekte der Nutzer (wie oben).
  • Validierung von Daten durch industrielle Partner in einer industrienahen Einsatzumgebung.

Image und Politik

Diese eher kommunikativ politischen Effekte sind schwer messbar, aber nicht zu unterschätzen:

  • Imagegewinn bei relevanten Stakeholdern (Politik, Verwaltung, Industrie).
  • Zugang zu leistungsfähiger Forschungsinfrastruktur für zusätzliche Nutzer bzw. Nutzergruppen (z. B. High Tech Angebote für Unternehmen).
  • Bessere Auslastung der Forschungsinfrastruktur, was die Rechtfertigung neuer und bestehender Investitionen stärkt.
  • Strategische Vorteile wie Förderung der Unabhängigkeit, Vermeidung von Monopolstellungen und Unterstützung politischer Ziele im Bereich Forschung und Innovation, wie z.B. aus der Hightech-Strategie des Bundes.

Mehrwert für Nutzer

Die Einbindung in eine Open Research Infrastructure bietet externen Nutzern – sei es Forschungseinrichtungen, Start-ups oder etablierte Unternehmen – vielfältige Vorteile, die über den bloßen Zugang zu Forschungsinfrastruktur hinausgehen. Je höher der wahrgenommene Nutzen, desto größer ist die Bereitschaft, einen angemessenen Beitrag zur Finanzierung oder Kooperation zu leisten.

  • Nutzung statt Investition: Nutzer können hochkomplexe, kostenintensive Forschungsinfrastruktur befristet nutzen, ohne selbst in Geräte, Gebäude oder Spezialpersonal investieren zu müssen. Dies ist besonders für KMU, Start-ups oder kleinere Forschungsgruppen entscheidend, um an der Spitze der Technologieentwicklung teilzuhaben.
  • Zugang zu Spitzeninfrastruktur: Nutzer erhalten Zugriff auf Anlagen und Technologien mit überlegener Leistungsfähigkeit, die ansonsten nur in wenigen Großforschungszentren verfügbar sind (z. B. Beschleuniger, Hochleistungsrechner, Kryo-EM).
  • Fachliche Unterstützung: Neben der reinen Nutzung profitieren Nutzer von der Expertise des Betreibers: Unterstützung bei der Vorbereitung, Durchführung und Auswertung von Experimenten oder Messungen sowie bei der Interpretation komplexer Ergebnisse.
  • Image- und Reputationseffekte: Die Kooperation mit einer renommierten Forschungseinrichtung stärkt das Image, insbesondere bei Kunden, Investoren oder Fördergebern.
  • Zusatznutzen durch Netzwerkeffekte: Nutzer profitieren vom Zugang zu einem breiteren Ökosystem – sei es durch Vermittlung weiterer Partner, Zugang zu gemeinamen Projekten oder Synergien mit anderen Nutzern der Infrastruktur.
  • Kooperationspotenzial mit anderen Nutzern: In der ORI entstehen informelle und formelle Kooperationsmöglichkeiten zwischen verschiedenen Nutzern – z. B. bei der gemeinsamen Entwicklung von Anwendungen, Skalierung von Technologien oder Bildung von Innovationsclustern.